Drei Grundlagen einer tiefen Mensch-Tier-Beziehung

 
 
 

Liebe, Respekt und Vertrauen sind die Grundlagen einer guten Beziehung - auch der zwischen Mensch und Tier.
Aber du kannst nur das geben - und empfangen - was du für dich selbst und für andere zu empfinden bereit bist.

Und da wird’s meist schon etwas holprig, denn oft suchen wir im Gegenüber, was uns selbst fehlt: “Liebe mich - respektiere mich - vertraue mir, denn ich selbst kann es nicht.“

Mit dieser Einstellung kann eine Mensch-Mensch-Beziehung funktionieren - ob sie für alle Beteiligten glücklich ist, sei mal dahingestellt - aber ein Tier spürt deine Energie, entlarvt dich gnadenlos und reagiert entsprechend. 

Und genau deshalb kannst du in allen drei Bereichen viel von und mit ihm lernen - wenn du bereit bist, dich darauf einzulassen.

Inhalt

Liebe

Respekt

Vertrauen

Tiere sind unsere Lehrer

Liebe

Tiere lieben bedingungslos.
Ihnen ist völlig egal, ob deine Frisur sitzt, was du für ein Auto fährst und wie du über die aktuelle politische Lage denkst.

Sie schauen tief in deine Seele - sehen dein Innerstes.
Das ist ihnen viel wichtiger als das Außen.

Sie tragen die “universelle Kraft“ in sich - und die ist nun mal reine Liebe.
Vermutlich fühlen wir uns deshalb so zu ihnen hingezogen.

Wir Menschen sind da ein bisschen anders drauf.
Was empfindest du z. B. für deinen Vierbeiner, wenn er mal wieder dein Rufen ignoriert?
Oder wenn er einen Artgenossen anpöbelt, die Katzentoilette nur als mögliche Alternative sieht oder buckelt und dich dabei Bodenproben nehmen lässt?

Welche “Liebes-Bedingungen“ stellst du an dein Tier, deine Mitmenschen und nicht zuletzt auch an dich selbst?

Eigentlich könnte ich an der Stelle schon aufhören und dich in Ruhe reflektieren lassen - wissend, dass ein Aha-Erlebnis folgen wird. 😉

Aber lass uns noch ein wenig tiefer gehen:
Oft können wir für unser Gegenüber nur dann positive Gefühle entwickeln, wenn dieses unseren Vorstellungen entspricht. Ein Lebewesen einfach so zu nehmen, wie es ist, fällt Menschen nun mal schwer.
Sei es, weil uns in vielen Medien Perfektionismus vorgegaukelt wird oder weil wir im anderen suchen, was wir in uns selbst nicht finden.

Vielleicht mögen wir ja Haustiere, weil sie unsere fehlende Selbstliebe ausgleichen.
Aber ist das ihnen gegenüber nicht ungerecht, weil einseitig?
Schließlich kannst du deiner Fellnase nichts zurückgeben, das du selbst nicht hast.

Wie wär’s damit, einfach Selbstliebe zu entwickeln?
Dich bedingungslos zu lieben - genau so wie du bist.

Du kannst gleich damit anfangen, indem du alle “Aber …“, die dir jetzt beim Lesen gerade in den Sinn kamen, in “Das macht mich einzigartig“ umwandelst.

Und dann:

  • Lächle dir selbst freundlich zu, wenn du dich im Spiegel siehst - ja, auch morgens. 😉

  • Lobe dich immer wieder für Dinge, die dir gut gelungen sind - mögen sie auch noch so klein sein.

  • Führe freundliche Selbstgespräche - und wirf dir dabei nicht Worte bzw. Formulierungen an den Kopf, die du einem guten Freund gegenüber nie erwähnen würdest.

Wenn du dich selbst bedingungslos lieben kannst, dann kannst du diese Liebe auch ehrlich und authentisch an andere weitergeben - Menschen wie Tiere.

Und Punkt zwei wird dir sehr viel leichter fallen.

Respekt

Wen respektierst du - und warum?
Respektierst du dich selbst - deine Bedürfnisse?

Wenn deine Antwort “Nein“ ist:
Wie kannst du dann erwarten, dass dein Vierbeiner es tut?

Tiere respektieren nicht die Lebewesen, die am lautesten brüllen (okay, wie das bei Löwen ist, weiß ich ehrlicherweise nicht 😏), sondern die, die am souveränsten handeln.

Bei uns Menschen ist das nicht immer so.
Und leider verwechseln wir oft Respekt mit Angst - und respektieren den, den wir am meisten fürchten.

Vielleicht fordern wir deshalb oft den Respekt unseres Tieres mit der Angst vor negativen Folgen ein (z. B. Leinenruck, Sporen) - oder verstärken gewünschte Handlungen positiv (z. B. mit Leckerli) - ohne dabei auf seine tatsächlichen Bedürfnisse zu achten.

Auf manchem Hundeplatz wird uns z. B. beigebracht, dass ein “Sitz“ ein “Sitz“ ist - unter allen Umständen - auch wenn es matschig oder schneebedeckt ist - und wir uns selbst definitiv nicht mit nacktem Hintern auf diesen Untergrund setzen würden.

Und in manchem Reitunterricht, dass ein Pferd mit allen Mitteln anzugallopieren ist, notfalls auch mit Einsatz der Gerte - selbst wenn uns dabei nicht ganz wohl ist.

Häufige Argumente für diese Art des Trainings:
“Der verarscht dich doch nur.“
”Der will dich nur dominieren.”

Meine Erfahrung nach vielen Jahren Arbeit mit Tieren:
Nein, das tut und will “er“ nicht.

Und das Einzige, was wir mit solchen Methoden erreichen ist, Punkt drei auf der Liste erfolgreich zu zerstören.

Vertrauen

Was für Qualitäten muss ein Lebewesen mitbringen, damit du ihm vertrauen kannst?
Trägst du diese Qualitäten in dir?
Und: Vertraust du dir selbst?

Vertrauen gibt Sicherheit - dir und deinem Tier - und damit auch die Möglichkeit, schwierige Situationen gemeinsam zu meistern.

Aber du kannst deine Fellnase nicht dazu zwingen, dir zu vertrauen.
Du kannst nur das Gefühl des Vertrauens in dir selbst kreieren - Selbstvertrauen entwickeln - und es dann deinem Tier anbieten.

Dein Tier spürt sehr genau, wie unerschütterlich der Glaube an dich selbst und deine Fähigkeiten ist. Und auch, wie sehr du eventuell daran zweifelst.
Denn genau das sichert ihm im Extremfall sein Überleben.

Falls dein erster Gedanke jetzt “Oh Mist!“ war, kann ich dich beruhigen.
In Selbstvertrauen kann man sich üben.

Hier ein paar Vorschläge:

  • Erinnere dich an Dinge, die dir gut gelungen sind:
    Zum Beispiel an Ausflüge mit deinem Tier, die ruhig verliefen und die du richtig genießen konntest.

  • Lass Zweifel los und vertraue darauf, dass alles gut ist, wie es ist - auch wenn es sich vielleicht gerade anders anfühlt.

  • Sieh Herausforderungen als Möglichkeit, zu wachsen - und sei dir bewusst, dass du mehr kannst, als du denkst.

Tiere sind unsere Lehrer

Die besten, die wir uns wünschen können.

Sie verlangen von uns, dass wir uns persönlich weiterentwickeln, wenn wir eine für beide Seiten erfüllende Mensch-Tier-Beziehung führen wollen.

Und sie triggern immer genau die Bereiche, in denen wir noch Nachholbedarf haben.

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Mentaltraining beginnt im Körper